»Dear Bertie!« – Briefe an Bertolt Brecht aus dem Exil 1933 bis 1949 (Hermann Haarmann)

Kategorie: Archiv

Mi., 4. Nov., 15:00 - 17:00 Uhr

Mit Beginn der nationalsozialistischen Diktatur wurde Bertolt Brecht, wie viele seiner Freunde und Kollegen auch, aus Deutschland vertrieben. Auf den Stationen seines Exils, das ihn über Dänemark und die Sowjetunion in die USA führte, war der Brief das entscheidende Medium, um Kontakt trotz alledem nicht ganz abbrechen zu lassen. Heute kaum mehr vorstellbar: Man beschriebt Papier, faltete den Bogen, steckte ihn in einen Briefumschlag, klebte eine Briefmarke darauf und hoffte, der Brief möge sein Ziel auch erreichen. Brecht und seine Familie erhielten rund 1.500 Briefe: neben letzter Geschäftspost mit Behörden und Verlagen waren es vor allem Rundschreiben von Freunden, Kommentare (Debatten) zu aktuellen Fragen der Zeit und selbstverständlich Angebote, bei der Weiterreise durch die Länder des Exils zu helfen. Natürlich findet sich auch sehr Persönliches in der Korrespondenz mit der Familie und mit den Liebhaberinnen. Nach Ende des zweiten Weltkriegs konzentrieren sich die Briefe auf Erkundigungen und erste Berichte über das wiederaufzubauende kulturelle Leben in Deutschland. Denn eines stand für Brecht fest: Er wollte aus Kalifornien so schnell als möglich nach Europa zurückkehren, zumal er ins Visier des Komitees für Unamerikanische Aktivitäten geraten war.

Hermann Haarmann

Hermann Haarmann

Hermann Beyer

Hermann Beyer

Die Briefe werden gelesen von Hermann Beyer, der als Schauspieler in Berlin unter anderem am Maxim-Gorki-Theater und der Freien Volksbühne tätig ist. Vielen ist er auch als Film- und Fernsehschauspieler (u.a. Bornholmer Straße, SOKO Köln, SOKO Wismar) und Sprecher bekannt. Eingeleitet und erläutert werden die Brief an Brecht von ihrem Herausgeber Hermann Haarmann, der als Senior-Professor für Kommunikationsgeschichte an der Freien Universität Berlin wirkt. Am heutigen Institut für Kultur- und Medienmanagement hatte er seit 1990 die Exilforschung aufgebaut und große Editionen, unter anderem des Briefwerkes von Erwin Piscator, durchgeführt. Die Briefe an Bertolt Brecht kamen 2014 in drei Bänden bei de Gruyter heraus. Zuletzt erschien als Würdigung seines Schaffens der Sammelband »›Um Abschied geht es ja nun…‹ – Exil und kein Ende« (Textum Verlag 2015).