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Lesezirkel

Kategorie: Aktuelles // Lesezirkel

Nächster Termin: Mi., 22. März, 18:00 Uhr

Der Jaspers-Lesezirkel findet sich etwa alle vier Wochen im Jaspers-Haus zusammen. Er widmet sich in Gesprächen Denkern, die für Karl Jaspers wichtig waren, um den Menschen in der Moderne zu verstehen. Nach Max Weber, Friedrich Nietzsche, Sören Kierkegaard und Hartmut Lange liegt der Fokus zur Zeit noch auf Albert Camus.

Nachdem sich der Lesezirkel in den letzten Sitzungen dem »Mythos von Sisyphos«, dem »Mensch in der Revolte« und der »Pest« gewidmet hat, werden in der nächsten Sitzung am Mi., den 22. März, um 18:00 Uhr politische Schriften von Camus besprochen aus dem Band:

»Fragen der Zeit«.

Hieraus folgende Kapitel:

„Briefe an einen deutschen Freund“
„Brot und Freiheit“
„Die Guillotine“
„Der Sozialismus der Galgen“
„Nobelpreisrede“

Im Anschluss gibt es bei einem Glas Wein die Möglichkeit, sich auszutauschen über Camus‘ Drama »Die Gerechten«, das aktuell am Oldenburger Staatstheater gegeben wird.

camusDer im heutigen Algerien geborene Albert Camus (1913-1960) ist einer der bekanntesten französischen Autoren des 20. Jahrhunderts. Der Schritsteller und Philosoph des Existentialismus bekam 1957 für sein publizistisches Gesamtwerk den Nobelpreis für Literatur.
In seinen Hauptwerken verhandelt er mit dem „Absurden“ immer wieder das sinnlose und unerklärbare Leiden des Menschen. In Anlehnung an Nietzsche propagiert er dabei einen auf sich selbst gestellten, aktiven Menschen. Dieser entwickelt unabhängig von Gott ein Bewusstsein neuer Möglichkeiten zur Schicksalüberwindung, des Widerspruchs und der inneren Revolte.

Ein Abschnitt aus »Der Mensch in der Revolte« eröffnet die Festschrift »Offener Horizont« zu Karl Jaspers‘ 70. Geburtstag. Ähnlich wie dieser verteidigt Camus die Freiheit eines eigenverantwortlichen Menschen, welche jedoch „in erster Linie nicht aus Privilegien, sondern aus Pflichten“ bestehe.

 

 

 

Es folgt ein chronologischer Überblick über bisherige Themen und Texte.

I.

Zuerst stand bis zum Dezember 2014 der Soziologe Max Weber (1864-1920) zur Debatte. In vier Treffen wurden die Texte „Wissenschaft als Beruf”, „Politik als Beruf“ sowie „Die protestantische Ethik und der ‚Geist’ des Kapitalismus” gelesen. Anlässlich von Webers 150. Geburtstag in diesem Jahr hatte schon das 5. Karl-Jaspers-Symposion (17./18. Okt. 2014) in der Karl-JG. 1. Max Weberaspers-Klinik zum Thema „Psychosoziale Horizonte in der Psychiatrie – Max Weber und Karl Jaspers”, es folgte außerdem im Dezember eine international besetzte Max Weber-Tagung, die unter anderem im Karl Jaspers-Haus stattfand.

Jaspers hatte Weber 1910 als Volontärassistent an der Psychiatrischen Universitätsklinik in Heidelberg kennen gelernt und alsbald auch an dessen sonntäglichen Zusammenkünften Intellektueller teilgenommen. Weber hatte sowohl großen Einfluss auf Jaspers’ methodischen und akademischen Anfänge als auch auf dessen spätere Philosophie der Existenz. Jaspers übernahm religiöse und ethische Begriffe und Phänomene wie Entscheidung, Gewissen oder Verantwortung, außerdem Heiligung, Askese, Mystik und Ekstase – Begriffe, die Weber in säkularisierenden Bedingungen der Moderne untersuchte.

II.

Im ersten Halbjahr 2015 lasen und besprachen wir Friedrich Nietzsche (1844-1900). Sein psychologisch-philosophisches Werk hatte für Jaspers eine immense Bedeutung, seitdem er die „AllgemeiNietzschene Psychopathologie” (1913) schrieb. Aber auch die spätere Philosophie mit dem Zentrum der „Existenzerhellung“ ist ohne das lebensphilosophische Denken Nietzsches nicht vorstellbar. So heißt es:

„Philosophieren mit Nietzsche bedeutet ein ständiges sich gegen ihn Behaupten. In dem Feuer seines Denkens kann sich das eigene Dasein, geprüft durch die grenzenlose Redlichkeit und Gefahr Nietzscheschen Infragestellens, läutern zum Innewerden eigentlichen Selbstseins.“
(Karl Jaspers)

Der Lesezirkel widmete sich vor allem ausgewählten, frühen Schriften. Wir begannen mit der zweiten „Unzeitgemässen Betrachtung. Vom Nutzen und Nachteil der Historie für das Leben“; darauf folgten „Schopenhauer als Erzieher“ und Auszüge aus dem ersten aphoristisch geprägten „Menschliches, Allzumenschliches“, bevor wir abschließend Ausschnitte aus der posthum veröffentlichten Autobiographie „Ecce homo“ lasen.

Im Juli sprachen Prof. Michael Steinmann (New York), ein Kenner Nietzsches, im Jaspers-Haus über Nietzsches Affinität zu religiösen Fragen; und zum Abschluss der Lektüren gab Dr. Rüdiger Schmidt-Grépály, der Leiter des Kolleg Friedrich Nietzsche (Stiftung Weimarer Klassik) Einblicke zur Wirkungsgeschichte Nietzsches, wie sie sich mit dem Ort Weimar verbindet. Dort waren einige Mitglieder des Lesezirkels im Juli auch zu Gast an einem Vortragswochenende, das vom Kolleg veranstaltet wurde.

III.

Als zweiter großer, philosophisch verstehender Psychologe des 19. Jahrhunderts wurde Sören Kierkegaard (1813-1855) für das Denken von Jaspers entscheidend. Im April des Jahres gab Prof. Bärbel Frischmann von der Universität Erfurt unter dem Titel „Angst in der Philosophie Sören Kierkegaard“ im Jasper-Haus schon einen ersten Eindruck seines Denkens.
In den vier Abenden zu Kierkegaard steht eine Auswahl aus seinen Tagebüchern im Zentrum, in denen Kierkegaard sich gesellschafts- und kulturkritischen Themen widmet. Abschließend werden wir auch den religiösen Denker Kierkegaard in den Blick nehmen und repräsentative Textstücke gemeinsam besprechen.
Für die Tagebücher bietet sich die hervorragende Ausgabe an, die Tim Hagemann für die Andere Bibliothek unter dem Titel „Geheime Papiere“ besorgte. Der 2004 erschienene Band ist lediglich noch antiquarisch erhältlich. Die entsprechenden Ausschnitte werden vor den Sitzungen im Oktober und November auf Anfrage über unser Kontaktformular auch als PDF zugänglich machen.