Weiblichkeit und Modernität. Virginia Woolf im Porträt (Gisela von Wysocki)

Kategorie: Aktuelles // Ringvorlesung

Mo., 16. April, 10:00 Uhr, BIS-Saal

In den Dichtungen Virginia Woolfs ist Wirklichkeit „herrenlos“, nahtlos vermischen sich Gewusstes und Imaginiertes. Der überwache Blick, die Bewegung des Eintauchens in das wahrgenommene Bild: Das sind die Elemente großstädtischer Modernität im Schreiben dieser großen Autorin, deren Roman »Mrs. Dalloway« Klaus Mann als das „radikalste Werk des Zwanzigsten Jahrhunderts“ bezeichnete.
Woolfs Erzählkunst, unsentimental und souverän, behauptet die Gleichzeitigkeit vieler möglicher Gegenwarten. Sie beherrscht die Erscheinungen nicht, erklärend, parteiergreifend. Eher verliert sie sich, geht unter im Murmeln der rätselvollen und abgekapselten Existenzen des Szenariums: Wirklichkeit, die als „vision fugitive“ den Menschen nicht mehr gehört. „Warum“, fragt Woolf in »A Writer’s Diary«, „gibt es nicht ‚eine‘ Entdeckung im Leben? Etwas, auf das man die Hand legen kann und sagen: Das ist es?“

Dr. Gisela von Wysocki studierte Musikwissenschaft in Berlin und WysockiWien sowie Philosophie bei Theodor W. Adorno. In den zahlreichen Essays, Theaterstücken, Hörspielen, Literaturkritiken und zuletzt den beiden Romanen »Wir machen Musik« (2010) und »Wiesengrund« (2016) zeigt sich der Formenreichtum ihres Schreibens. Gisela von Wysocki erhielt zahlreiche Preise und wird im März dieses Jahres mit dem Heinrich-Mann-Preis der Berliner Akademie der Künste ausgezeichnet.