Kant, Adorno und die Hoffnung der Aufklärung (Gabriele Geml)

Kategorie: Aktuelles // Allgemein // Junge Philosophie

Do., 11. Juni 2026, 19:30 Uhr (Online-Veranstaltung)

Immanuel Kant brachte zentrale Hoffnungen der Aufklärung auf den Begriff. Seine Philosophie bildet einen wesentlichen Referenzpunkt für das Denken Adornos, das sich zugleich durch drastisch veränderte historisch-gesellschaftliche Voraussetzungen von der kantischen Philosophie entfremdet wusste: Zwei Weltkriege und eine durch rassistische Verfolgung erzwungene Emigration gehörten zu Adornos biographischem Erfahrungshintergrund, als er in den 1940er Jahren im amerikanischen Exil gemeinsam mit Max Horkheimer die ›Dialektik der Aufklärung‹ verfasste und der Frage nachging, »warum die Menschheit, anstatt in einen wahrhaft menschlichen Zustand einzutreten, in eine neue Art der Barbarei versinkt«.

Den Diskrepanzen im menschlichen Vernunftvermögen, die ihn zeitlebens beschäftigten, hatte Adorno bereits im September 1939, wenige Tage nach dem deutschen Überfall auf Polen, in einem Brief an seine Eltern pointiert Ausdruck verliehen: »Daß die Menschheit, die es so weit gebracht hat, einen solchen Krieg führen zu können, es nicht so weit gebracht hat, ihn nicht führen zu müssen, ist nichts anderes als Grund zur absoluten Verzweiflung.« 

Der Vortrag nimmt Hoffnung und Verzweiflung als konstitutive Triebkräfte von Adornos philosophischem Denken in den Blick. Inhaltliche Schwerpunkte werden dabei auf Adornos Kant-Rezeption, auf den Überlegungen zur ›Dialektik der Aufklärung‹, auf Adornos demokratiepädagogischen Bemühungen in der Nachkriegszeit und seinem Verständnis von Philosophie als einer geistigen Verhaltensweise liegen.

Der Vortrag kann ausschließlich online angeboten werden.
Hier der Link zum digitalen Raum der Veranstaltung:

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Dr. Gabriele Geml ist Philosophin und Psychotherapeutin (Verhaltenstherapie). Sie arbeitet in Wien als Psychotherapeutin in freier Praxis und als Lektorin am Institut für Philosophie der Universität Wien. Dort war sie zuvor mehrere Jahre Universitätsassistentin. Gemeinsam mit der Pianistin Han-Gyeol Lie leitet sie den Verein für Ästhetik und angewandte Kulturtheorie (Verein akut). Von ihr erschien zuletzt u.a.: „Adornos Kritische Theorie der Zeit“ (Stuttgart 2020); „Verwandlungen. Dichter als Leser Kants“ (Hg. mit Waibel/Jakobsohn/Schaller; Göttingen 2023); „Freiheit, Vernunft, Sinnlichkeit. Vielstimmiger Widerhall der Philosophie Kants im 20. Jahrhundert“ (Hg. mit Waibel/Brinnich/Schaller, Berlin 2024).