Schellings und Hegels identitätsphilosophische „Grundoperationen“. Ein Einwand gegen Henrichs Rekonstruktion (Manfred Frank)

Kategorie: Aktuelles // Allgemein // Junge Philosophie

Do., 18. Juni 2026, 19:30 Uhr

Im Nachlass von Dieter Henrich (1927-2022) haben sich zwei Teile eines Typoskripts („Das Andere seiner selbst“) gefunden, das die „Logik der Entwicklung Hegels von Schellings Identitätssystem zur Theorie des absoluten Geistes (Jena 1801-1805)“ aufzeigt.

Im Gegensatz zur nacherzählenden oder Wendepunkte markierenden Geschichtsschreibung geht es Henrich hier um die Freilegung der gedanklichen „Grundoperation“, die sich in dieser Entwicklung immer klarer herausbildet. Die Elemente, von Schelling bereitgestellt und von Hegel neu arrangiert, sind die „Negation“ (bzw. „Andersheit“) und der „Selbstbezug“.

Der Abendvortrag erläutert Henrichs Rekonstruktion und weist auf eine grundlegende Zweideutigkeit im Begriff der Selbstbeziehung hin: Diese meint zum einen die Beziehung der Negation „nur“ auf sich (was der „Beziehungslosigkeit“ entspräche), zum anderen die Beziehung auf das „Andere ihrer selbst“. Dabei soll die Überzeugung konturiert werden, dass Schelling selbst es war, der als Erster die hier verborgene Äquivokation durchschaut und hieraus Konsequenzen gezogen hat, welche die Unhaltbarkeit des Idealismus zur Folge haben.

Dem Vortrag folgt am Freitag, den 19. Juni, von 10 bis 14 Uhr ein Workshop, in dem die Teilnehmenden unter der Leitung des Herausgebers von Henrichs Nachlass-Werk, Niklas Jaenecke, die Abschnitte 9 und 10 von Henrichs „Das Andere seiner Selbst“ gemeinsam diskutieren werden.

Das Buch ist im Dezember 2025 im Hauptprogramm bei Klostermann erschienen und bildet die Grundlage des Workshops. Das Typoskript kann auf Nachfrage bereitgestellt werden.

Die Veranstaltung wird in Verbindung mit der Juniorprofessur für Geschichte der Philosophie durchgeführt.

 

Prof. Manfred Frank war Lehrstuhlinhaber für Philosophie in Genf und Tübingen und wurde mit zahlreichen Ehrendoktorwürden ausgezeichnet. Er ist Mitglied der Academia Europaea sowie der Heidelberger Akademie der Wissenschaften. Frank leistete u.a. maßgebliche Arbeiten zum Phänomen des Selbstbewusstseins und zur Frühromantik. Zuletzt erschien von ihm „Über Motivation oder den ›Zusammenhalt der geistigen Welt‹“ (Stuttgart 2022) oder „Die Struktur der Subjektivität. Eine Auseinandersetzung mit Dieter Henrich“ (Frankfurt/M. 2024).

Niklas Jaenecke ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Bergischen Universität Wuppertal. Er arbeitet u.a. zu Kritizismus und Deutschem Idealismus. Er ist Herausgeber von „Dieter Henrich: Das Andere seiner selbst. Die Logik der Entwicklung Hegels von Schellings Identitätssystem zur Theorie des absoluten Geistes (Jena 1801-1805).“ Hrsg. und eingeleitet von Niklas Jaenecke. Mit einem Vorwort von Manfred Frank (Klostermann, Frankfurt/M. 2026).