Vom Kitschvertrag. Emotion als kontrollierter Kontrollverlust (Thomas Küpper)

Kategorie: Aktuelles // Allgemein // Junge Philosophie

Do., 08. Januar 2026, 19:30 Uhr

Kitsch wird oft als ergreifend und überwältigend beschrieben – so als ließe er seinem Publikum keine Wahl. Diese übliche Vorstellung ist nicht zuletzt geprägt von ästhetischen Traditionen, die – im Anschluss an Kant – Reize und Rührungen aus dem Bereich des „reinen“ ästhetischen Urteils auszuschließen suchten und ihnen mit grundsätzlichem Misstrauen begegneten.

Der Vortrag stellt diese Annahme infrage. Er argumentiert, dass Kitsch seine Wirkung nicht durch eine unmittelbare, zwanghafte Verfügung über die Gefühle des Publikums entfaltet, sondern nur auf der Grundlage eines impliziten Einverständnisses. Kitsch funktioniert dort, wo ihm erlaubt wird, Gefühle zu lenken – zeitweise und kontrolliert. Gerade in dieser paradoxen Konstellation – im gleichzeitigen Zulassen und Festhalten von Kontrolle – liegt ein Schlüssel zum Verständnis der Wirksamkeit des Kitsches.

An den Vortrag schließt sich am Freitag, den 9. Januar, von 10-14 Uhr (c.t.) ein vertiefender Workshop an. Interessierte können auf Nachfrage Textmaterial erhalten.

PD Dr. Thomas Küpper ist Akademischer Rat an der Universität Duisburg-Essen in der Literatur- und Medienwissenschaft. Zuvor vertrat er die Professur für Geschichte und Ästhetik der Medien an der Goethe-Universität Frankfurt, die Professur für Kulturwissenschaft an der Hochschule für bildende Künste Braunschweig und war Dozent für Neuere deutsche Literaturwissenschaft an den Universitäten Bochum und Düsseldorf. Zuletzt erschien u.a.: Bewusst im Paradies: Kitsch und Reflexivität (Bielefeld 2022)