Hannah Arendt als Lehrerin. Erinnerungen von und an Jerome Kohn (Matthias Bormuth/ Malte Unverzagt)

Kategorie: Aktuelles // Allgemein

Di., 04. März 2025, 19:30 Uhr

Als im November 2024 Jerome Kohn verstarb, der letzte Assistent und Nachlass-Verwalter von Hannah Arendt, ging eine Ära zu Ende. Er gehörte zu den letzten amerikanischen Zeitzeugen ihres philosophischen Lebens. Als Student der New Yorker Columbia University durfte er ihre Seminare an der New School for Social Research besuchen und gehörte seitdem als jüngstes Mitglied zu ihrem New Yorker Freundes- und Schülerkreis.

© Jerome Kohn, The New York Times

Allen, die über Hannah Arendt forschten, berichtete er sehr gerne von der Fasziniation, die seine Lehrerin auf ihn während der letzten Lebensjahre ausgeübt hatte. In Arendts Seminar konnte man, so Jerry, die eigene Stimme im Leben des Geistes entdecken. So pries der junge Intellektuelle, als er im Dezember 1975 eine Trauerrede nach Arendts Tod halten durfte, ihr Vermögen, den Studierenden einen Raum für das Schauspiel des Denkens zu eröffnen.

Wir konnten Jerome Kohn vor einigen Jahren gewinnen, diese Trauerrede mit anderen Erinnerungen an Hannah Arendt in deutscher Übersetzung in Verbindung mit dem Oldenburger Jaspers-Haus publizieren zu lassen. Malte Unverzagt wird ausgewählte Passagen seiner Texte lesen und Matthias Bormuth diese im weiteren Kontext der großen Arendt-Bände erläutern, die Jerome Kohn in den letzten Jahrzehnten herausgab.

© Piper Verlag

„Jerome Kohn, who devoted his career to decoding, defending and disseminating the work of Hannah Arendt, the provocative philosopher who diagnosed the roots of 20th-century totalitarianism and controvertibly wrote that the convicted Nazi war criminal Adolf Eichmann embodied “the banality of evil,” died on Nov. 8 in Bay Shore, N.Y., on Long Island. He was 93.“

New York Times

„Wir fanden uns in einem Raum der Gleichberechtigung wieder, wo niemand befahl und niemand gehorchte, einem Raum, wo die eigene Meinung so viel zählte wie irgendeine andere, jedenfalls so lange, wie man von ihr überzeugt blieb, so lange, wie man nicht von einer anderen Meinung überzeugt wurde.“

Jerome Kohn, Erinnerungen an Hannah Arendt

 

Matthias Bormuth ist Professor für Vergleichende Ideengeschichte an der Universität Oldenburg und Leiter des Karl Jaspers-Hauses. Zuletzt erschienen: Die Kunst des Fragens. Marginalien und Porträts (Wallstein 2024) und Trapezkünstler. Der Fall Kafka (Berenberg 2024).

Malte Unverzagt ist wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Professur für Vergleichende Ideengeschichte am Philosophischen Institut der Universität Oldenburg. Zuletzt erschien seine Dissertation „Die Kunst der Resignation. Karl Löwiths Briefe aus Italien“ (Wallstein 2024).