Thomas Mann – poeta politicus. Konservativismus als Idee und Kunst (Dieter Borchmeyer)

Kategorie: Aktuelles // Arendt-Forum

Do., 09. Juli 2026, 19:30 Uhr


Kooperation mit dem Center für lebenslanges Lernen


Der Heidelberger Literaturwissenschaftler und Kenner Thomas Manns erhellt die theoretischen Grundlagen von Thomas Manns Politikverständnis, vor allem im Hinblick auf die Betrachtungen eines Unpolitischen, das bis heute im besten Sinne umstritten ist. Im Zentrum des Vortrags steht die Idee des Konservativismus, der Thomas Mann sich sein Leben lang über alle Meinungswandlungen hinweg verpflichtet fühlte. Dass dieser sein Gegenteil immer einschließt, gehört zur „Dialektik“ des Politischen. Sie ist für den Schriftsteller das A und O des gesellschaftlichen Handelns, beruhend auf den Elementen von „Reform, Kompromiß, Anpassung“.

© Insel Verlag


Es geht Thomas Mann demnach, folgt man Dieter Borchmeyer, um die Verständigung zwischen den sich ständig wandelnden Erfahrungen und der ganz anderen Wirklichkeit des „Geistes“. Von daher sei wahre Politik zeitlebens für Thomas Mann der Ironie verwandt, immer gerichtet auf Wirklichkeit wie Geist der Menschen. Politik kann, das ist die Pointe, nur auf Reform hin angelegt sein, dürfe also nicht ausschließlich „konservierend oder radikal-destruktiv“ ausfallen. So gebe es für Thomas Mann die  „Ähnlichkeit der Kunst mit der Politik“, die in der „Mittlerstellung zwischen dem reinen Geist und dem Leben“ beruhe.


Prof. Dr. Dieter Borchmeyer ist Emeritus für Neuere Deutsche Literatur und Theaterwissenschaft an der Universität Heidelberg, wo er bis heute die Stiftungsdozentur „Heidelberger Vorträge zur Kulturtheorie“ vertritt. Er war unter anderem Präsident der Bayerischen Akademie der Schönen Künste und sowie Stiftungsratsvorsitzender der Ernst von Siemens Musikstiftung.


Seine zahlreichen Editionen und Werke zur Literatur und Kulturphilosophie reichen von der deutschen Klassik um Goethe und die Moderne um Thomas Mann, musikalisch gruppieren sie sich um Richard Wagner. Er schreibt unter anderem auch für die großen Tageszeitungen FAZ, SZ und NZZ  Für den Abend einschlägig ist vor allem die große Monographie: Thomas Mann. Werk und Zeit (Insel 2022).