In der Nähe. Vom politischen Wert einer ostdeutschen Sehnsucht (Simon Strauss)
Kategorie: Aktuelles // Arendt-Forum
Di., 23. Juni 2026, 19:30 Uhr
Buchvorstellung und Gespräch mit Michael Sommer. Kooperation mit dem Center für lebenslanges Lernen
Das Glück eines Menschen hängt daran, in der Nähe von anderen zu sein. So beschreibt es der Schriftsteller und Journalist Simon Strauss, der für die Frankfurter Allgemeine Zeitung tätig ist, in seinem ersten Sachbuch, das er im Gespräch mit dem Oldenburger Historiker Michael Sommer uns vorstellt.
Wir leben in Zeiten der Entfernung. Die politischen Lager, die großen Machtblöcke der Welt, die Stadt vom Land – alles entfernt sich voneinander. Umso wichtiger wird der Blick aus der Nähe. Wo ist im Zeichen medial befeuerter Selbstgerechtigkeit noch Gemeinschaft möglich? Simon Strauß findet eine überraschende Antwort: in der Kleinstadt. Hier begegnen sich die Menschen als Gegenüber, hier müssen Konflikte ausgetragen und Kompromisse gefunden werden. Hier lernt man die Demokratie noch einmal neu kennen.

© Klett-Cotta Verlag
Was macht ein gutes Zusammenleben aus? Am Beispiel der Kleinstadt Prenzlau erkundet er, wie Gemeinschaft gelingen kann, wann sie scheitert und welche politische Bedeutung es hat, in der Nähe zu sein. Welche Kraft hat der gemeinsame Glaube an einen physischen Ort? Gibt es noch so etwas wie einen geteilten Himmel oder greift inzwischen jeder nur noch nach den eigenen Sternen? Ein Buch, das das Wissen des Autors um die ersten städtischen Bürgerschaften in der Antike mit seiner Neugier für die Probleme unserer Gegenwart verbindet. Seine Beobachtungsgabe mit seiner Begeisterungskraft. Die Bedeutung von Nähe wird hier zuerst emphatisch gedacht – und dann real betrachtet.

Simon Strauß, geboren 1988, studierte Altertumswissenschaften und Geschichte in Basel, Poitiers und Cambridge. Er ist Mitgründer der Gruppe »Arbeit an Europa«. 2017 promovierte er an der Humboldt-Universität zu Berlin. Er lebt in Berlin und der Uckermark, ist Redakteur im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Zuletzt erschienen von ihm Sieben Nächte (2017), Römische Tage (2019) und Zu Zweit (2023).
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»Es gibt Grenzgänger zwischen der großen Welt der Anywheres und jener kleinen der Somewheres, Menschen, die sich in beiden Sphären zu Hause fühlen und beiden Seiten Respekt entgegenbringen. Insgeheim ist auch Strauß so ein Grenzgänger, zumindest sympathisiert er mit ihnen. […] Von ihnen kann man, wie das Buch eindrucksvoll zeigt, eine ganze Menge lernen.« Michael Sommer, Süddeutsche Zeitung