Hannah Arendts Kritik der Menschrechte (Friedrich Weißbach)

Kategorie: Aktuelles // Allgemein // Junge Philosophie

Do., 17. Nov., 19:30 Uhr

Angesichts eines Ausmaßes von Fliehenden wie nach dem Zweiten Weltkrieg ist die Frage danach, wie dem zu begegnen ist, eine der drängendsten unserer Gegenwart. Die enorme Herausforderung bringt die internationale Staatengemeinschaft an ihre Grenzen, was die prekäre Situation der Fliehenden teils noch dramatisch verschlechtert. Die von fast allen Staaten ratifizierte Menschenrechtskonvention ist in dieser Krisensituation oft nicht die maßgebliche normative Grundlage politischer Handlungen. Damit sind die Menschenrechte ausgerechnet für jene wirkungslos, die aufgrund des Verlustes ihres sie schützenden staatlichen Souveräns am meisten auf sie angewiesen wären.

In „Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft“ (1951, deutsch: 1954) setzt sich Hannah Arendt in dem Kapitel Die Aporien der Menschenrechte mit dieser damals wie heute aktuellen Problematik auseinander. Der Vortrag widmet sich Hannah Arendts Gedanken über das Scheitern der Menschenrechte und entwickelt anhand ihres Spätwerks einen neuen Blick auf ihre Thesen, der über ihre viel zitierte Formel eines „Rechts, Rechte zu haben“ hinausweist.

Friedrich Weißbach hat Philosophie und Musikwissenschaft in Berlin, Rom und Lyon studiert. Seine 2019 bei Rahel Jaeggi abgeschlossse Masterarbeit „Recht und Gemeinschaft. Zu Hannah Arendts Menschenrechtskritik“ erscheint 2023 im Lukas Verlag (Berlin). Er lehrt als Dozent für politische Theorie an der Humboldt-Universität zu Berlin und ist fester freier Autor für das „Philosophie“-Magazin. Als Gründer und Leiter des Instituts für Chaos ist er Mitherausgeber des Bandes „Chaos. Zur Konstitution, Subversion und Transformation von Ordnung“ (2018).