Frankfurt als geistige Lebensform
Kategorie: Aktuelles // Allgemein
Di., 05. Mai 2026, 19:30 Uhr
Buchvorstellung und Gespräch mit Stefan Müller-Doohm (Oldenburg), Wolfgang Schopf (Frankfurt a.M.) und Matthias Bormuth (Oldenburg)
Die Buchreihe „Bibliothek Arendt“ bietet oft biografische Erinnerungen in Gesprächen und Essays, so auch in dem Band „Frankfurt als geistige Lebensform“, in dem sich die intellektuelle Kontur Stefan Müller-Doohms gezeichnet findet. Für den Oldenburger Soziologen und Emeritus war Frankfurt als besonderer Erfahrungsraum seit der Kindheit prägend für die kulturelle Weltsicht und die philosophische Selbstfindung.
In den Jugendjahren am Eisernen Steg wurde durch die direkte Konfrontation mit dem Ungeheuerlichen der deutschen Vergangenheit, verstärkt durch den Auschwitz Prozess, das Drängen nach Verstehen und ethischer Orientierung virulent. Die persönliche Präsenz des ungewöhnlichen Verlegers Victor Otto Stomps hinterließ ebenso tiefe Spuren wie die akademischen Lehrer Theodor W. Adorno und Jürgen Habermas.

Auch trugen Konfrontationen wie mit dem Jazz und Theater, aber auch die Politisierungsprozesse im Zuge der 68er-Studentenbewegung dazu bei, dass treibhausmäßig ein generationsspezifischer intellektueller Habitus einer Frankfurter Moderne gedeihen konnte. Diese verknüpft jüngste Geschichte, Philosophie, Literatur und Musik so, wie Thomas Mann und Theodor W. Adorno sie in ihrer Diskussion um den »Doktor Faustus« zur Sprache brachten.
Im Gespräch mit Matthias Bormuth und Wolfgang Schopf wird der Band in wichtigen Perspektiven vorgestellt. Zudem wird der Austausch begleitet durch bildliche Erinnerungen, geschöpft aus Materialien, die der Frankfurter Literaturhistoriker zum 80. Geburtstag von Jürgen Habermas und Stefan Müller-Doohm für Ausstellung und Vortrag zusammengestellt hatte.

Stefan Müller-Doohm, geb. 1942, ist emeritierter Professor für Soziologie an der Universität Oldenburg.
Veröffentlichungen u. a.: Adornos Minima Moralia. Poetik und Philosophie (Mithg., 2024); Jürgen Habermas, »Es musste etwas besser werden …«. Gespräche mit Stefan Müller-Doohm und Roman Yos (2024); Vernünftige Freiheit und öffentliche Vernunft. Beiträge zum Spätwerk von Jürgen Habermas (Mithg., 2024); Habermas Global. Wirkungsgeschichte eines Werks (Mithg., 2019); Jürgen Habermas. Eine Biographie (2014); Adorno. Eine Biographie (2003).
Wolfgang Schopf leitet heute das Literaturarchiv der Goethe-Universität im Universitätsarchiv Frankfurt. 2000 bis 2009 betreute er die Archive der Verlage Suhrkamp und Insel. Er edierte zahlreiche Briefwechsel, etwa von Theodor W. Adorno, Siegfried Kracauer, Wolfgang Koeppen, Walter Boehlich, Peter Suhrkamp und Siegfried Unseld. »Im Dienste der gemeinsamen Sache« gab er gemeinsam mit Regina Bucher heraus. 2019 erhielt er die Ehrendoktorwürde der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg.


Matthias Bormuth ist Professor für Vergleichende Ideengeschichte an der Universität Oldenburg und Leiter des Karl Jaspers-Hauses. Entlang eigener Forschungen zu Max Weber verdichtete er in dem Band: Wir modernen Menschen. Über Max Weber (Wallstein 2020). Zuletzt erschienen: Die Kunst des Fragens. Marginalien und Porträts (Wallstein 2024) und Trapezkünstler. Der Fall Kafka (Berenberg 2024). Jüngste Publikation: Von der Unheimlichkeit der Welt. Denken mit Hannah Arendt (Matthes und Seitz Oktober 2025).