Gottfried Benn und die russische Literatur des 19. Jahrhunderts

Kategorie: Aktuelles // Allgemein

Di., 06. September, 19:30 Uhr

Gottfried Benn hatte großes Interesse an der russischen Literatur und Kunst und sah in der russischen Kultur eine Quelle der wichtigsten Tendenzen für die europäische Kultur. Seit den 1920er Jahren studierte Benn russische Kultur als Ursprung des Nihilismus – in seinen Texten finden sich unter anderem die Nennungen von Schriftstellern und Gelehrten wie Turgenew, Dostojewski, Nekrassow, Kropotkin. Benn hat russische Literatur des 19. Jahrhunderts als eine Auseinandersetzung zweier wichtigsten Weltanschauungen – christlichen und nihilistischen – gesehen.  Die Kultur und Literatur Russlands  stellen für Benn somit nachweislich wichtige Einflüsse und Quellen für die moderne europäische Kultur dar. Russland hat Benn zuerst nur als Quelle des Nihilismus interessiert, dann aber, nach tiefer Forschung, ist Benn zu tieferen Anlegungen gekommen. In seinem Spätwerk sieht Benn Russland als eine der wichtigsten Quellen europäischer Kultur an sich. Auch im Spätwerk Benns ist es wichtig, der Frage nach dem russischen Einfluss nachzugehen. Denn, z. B., in seinem Vortrag „Probleme der Lyrik“ (1951) nennt er Majakowski einen der wichtigsten modernen Dichter. Benns Erzählung „Roman des Phänotypus“ (1943) enthält ein Ekphasis von Kustodiews „Kaufmannsfrau bei Tee“. Kustodiews Kaufmannsfrau wird bei Benn zu einem Symbol der guten alten Zeiten und bildet eine Opposition zur heutigen, dürftigen Welt.

Dr. Nikon Kovalev ist Literaturwissenschaftler und Germanist, der am Gorki-Institut für Weltliteratur der Russischen Akademie der Wissenschaften tätig war, wie auch in Moskau an der Russischen Staatlichen Geisteswissenschaftlichen Universität lehrte. Nach seiner Promotion zu Gottfried Benn war er mehrfach als Stipendiat am Deutschen Literaturarchiv in Marbach. In Kürze wird er als Assistant Teaching Professor an der University of Texas unterrichten.