„Was kann da schon drinstehen… in so einem Buch“. Die Lebensbetrachterin Marie-Luise Kaschnitz
Kategorie: Aktuelles // Sonntags bei Jaspers – ein literarischer Salon
So., 13. September 2026, 16:00 Uhr
Es liest: Franziska Vondrlik (Oldenburg)
Moderation: Christiane Brockmann-Nooren

„Ich sehe und höre, reiße die Augen auf und spitze die Ohren, versuche, was ich sehe und höre, zu deuten, hänge es an die große Glocke, bim bam.“
Marie Luise Kaschnitz (1901 – 1974), die als erste Frau den Georg-Büchner-Preis zuerkannt bekam, bezeichnete sich selbst recht uneitel als „ewige Autobiographin“ und „ohne große Erfindungsgabe“, doch gerade ihr genaues Hinsehen und Hinhören zeichnet ihr Werk aus.
© Peter Zollna
Vor allem ihre Erzählungen und kurzen Prosabetrachtungen haben ihren Ausgangspunkt in eigenen Erfahrungen und Beobachtungen, doch immer geht der Blick über das Ich hinaus. Wie ein sensibler Seismograph registrierte Kaschnitz die Absurditäten scheinbar alltäglicher Begebenheiten. Dabei ging sie oft schonungslos mit sich selbst und ihren Zeitgenossen ins Gericht. Mit erstaunlicher Scharfsichtigkeit imaginierte sie zukünftige Entwicklungen, die sich nun oft als erschreckend wahr erweisen. Ihre Themen berühren auch heute noch und ihre doppelbödigen Texte bestechen mit ihrer klaren Sprache und einem hintersinnigen Humor. In unserer Sonntagslesung wollen wir an diese große Autorin erinnern und dazu ermuntern, Marie Luise Kaschnitz wieder zu lesen – oder ganz neu zu entdecken.
