DIE KUNST DER BIOGRAPHIE. Rainer Maria Rilke
Kategorie: Aktuelles // Allgemein
Di., 19. Mai 2026, 19:30 Uhr
Gespräch mit Manfred Koch (Sent/Schweiz), Reiner Stach (Berlin) und Matthias Bormuth (Oldenburg)
Biographien standen lange Zeit unter dem Verdacht, vor allem voyeuristischen Bedürfnissen zu dienen, und als Instrument der Erkenntnis wurden sie ebenso wenig respektiert wie als eigenständiges literarisches Genre. Seit zwei, drei Jahrzehnten hat sich das erkennbar geändert, insbesondere durch eine Reihe herausragender biographischer Leistungen. Dennoch gibt es noch immer verhältnismäßig wenige Versuche, die Maßstäbe, die wir heute an Biographien anlegen, genauer zu bestimmen. Worin bestehen die Herausforderungen an den Biographen? Wie nahe kann man einem Menschen allein aufgrund von schriftlichen Quellen kommen? Wie viel Spekulation, oder gar Fiktion, ist den Lesern zumutbar? Und warum immerzu neue Biographien? Die Gesprächsreihe über »Die Kunst der Biographie« wird solche grundlegenden Fragen mit den Autoren selbst erörtern.
Im Rilke-Gedenkjahr 2025 hat Manfred Koch eine Biographie vorgelegt mit dem Titel: »Rilke. Dichter der Angst«. Koch beschränkt sich hier keineswegs auf einen psychologischen Zugang zu Rilke; vielmehr zeigt er, wie sich im dichterischen Schaffensprozess Erinnerungsarbeit und ästhetische Kreativität miteinander verschränken. Inwieweit ist jedoch die biographische Form geeignet, einen so intimen Vorgang nicht nur zu analysieren, sondern auch nachvollziehbar zu machen? Gibt es Grenzen der biographischen Empathie?
Reiner Stach, weltweit bekannter Biograph Franz Kafkas, und Matthias Bormuth, der zuletzt eine biographische Skizze Hannah Arendts vorlegte, verständigen sich in diesem Horizont mit Manfred Koch im 100. Todesjahr Rainer Maria Rilkes über die Kunst der Biographie.

© DIE ZEIT

Manfred Koch, geb. 1955, ist Literaturwissenschaftler und Publizist. Er habilitierte sich 2001 mit einer Arbeit über Goethes Begriff der Weltliteratur, danach lehrte an den Universitäten Tübingen und Basel. 2025 erschien im Verlag C.H. Beck seine Biographie über Rainer Maria Rilke. Von der literarischen Kritik wurde die Arbeit als bedeutender Beitrag zur Entmythologisierung des Dichters aufgenommen.
Reiner Stach, geb. 1951, ist Literaturwissenschaftler und Publizist. Er verfasste eine dreibändige Biographie über Franz Kafka (S.Fischer 2002, 2008, 2014), die mittlerweile in elf Sprachen übersetzt und mit mehreren Preisen ausgezeichnet wurde (zuletzt Prix Médicis, Paris 2024). Derzeit arbeitet Stach an einer fünfbändigen, intensiv kommentierten Ausgabe der Werke Kafkas. Bisher ist bei Wallstein erschienen: Der Process (2024), Erzählungen, Band 1 (2025).


Matthias Bormuth ist Professor für Vergleichende Ideengeschichte an der Universität Oldenburg und Leiter des Karl Jaspers-Hauses. Entlang eigener Forschungen zu Max Weber verdichtete er in dem Band: Wir modernen Menschen. Über Max Weber (Wallstein 2020). Zuletzt erschienen: Die Kunst des Fragens. Marginalien und Porträts (Wallstein 2024) und Trapezkünstler. Der Fall Kafka (Berenberg 2024). Jüngste Publikation: Von der Unheimlichkeit der Welt. Denken mit Hannah Arendt (Matthes und Seitz Oktober 2025).