„Mit gefesselten Händen“ … „Dem Rad in die Speichen fallen“. Schlüsseltexte von Alfred Delp und Dietrich Bonhoeffer
Kategorie: Aktuelles // Allgemein
Di., 16. Juni 2026, 19:30 Uhr
Konzept und Einführung: Michael Lahr von Leïtis. Es liest Gregorij H. von Leïtis.
Alfred Delp war Katholik und Jesuit, Dietrich Bonhoeffer Protestant und Studentenpfarrer. Beide wirkten in ihrem jeweiligen Umfeld als intellektuelle Vordenker – Delp als Redakteur bei der Zeitschrift „Stimmen der Zeit“, Bonhoeffer als Lehrbeauftragter an der Berliner Universität und später als Leiter des Predigerseminars Finkenwalde. Beide engagierten sich intensiv für die Ökumene. Aus tiefer christlicher Überzeugung warnten sie schon sehr früh vor den Gefahren des NS-Regimes und waren aktiv im Widerstand gegen Hitler und dessen zerstörerische menschenverachtende Ideologie.

Foto: Alfred Delp

Dietrich Bonhoeffer wurde im April 1943 verhaftet, als Umsturzpläne seines Schwagers Hans von Dohnanyi aufflogen, Alfred Delp wurde acht Tage nach dem gescheiterten Attentatsversuch durch Graf Stauffenberg am 28. Juli 1944 verhaftet. In den letzten Kriegsmonaten wurden Alfred Delp und Dietrich Bonhoeffer im Abstand von nur wenigen Wochen hingerichtet, Delp am 2. Februar 1945 im Alter von 37 Jahren in Berlin-Plötzensee, der 39-jährige Bonhoeffer am 9. April 1945 im KZ Flossenbürg.
Foto: Dietrich Bonhoeffer
Dietrich Bonhoeffer und Alfred Delp kannten sich nicht persönlich, doch durch die Person Helmut James Graf von Moltkes gab es Berührungspunkte Bonhoeffers zum Kreisauer Kreis, dem Delp als sozialphilosophischer Vordenker angehörte.
Für die politisch-gesellschaftliche Nachkriegsordnung eines vom NS-Regime befreiten Deutschlands entwickelte Delp Leitideen für soziale Gerechtigkeit und Teilhabe, gewissermaßen einen „Humanismus im Namen Gottes“ (Karl Kern SJ).
In seinen Gefängnisbriefen notierte Bonhoeffer grundlegende Gedanken zur Solidarität einer zukünftigen Kirche mit den Armen, Notleidenden und Bedürftigen.
Angesichts weltweiter Tendenzen zu ungeschminktem Autoritarismus und einer zunehmenden Erosion der Fundamente unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung in Deutschland scheint es wichtig und fruchtbringend, die klaren, eindringlichen Worte Delps und Bonhoeffers und ihre aus tiefer Gläubigkeit und moralischer Festigkeit gewonnene Haltung zu bedenken und uns als Wegweisung vor Augen zu stellen.
Michael Lahr von Leïtis, Elysiums Artistic Director und Executive Director von The Lahr von Leïtis Academy & Archive. Lahr studierte Philosophie und Erwachsenenbildung an der Hochschule für Philosophie in München und an der Jesuiten-Universität Centre Sèvres in Paris. Er hält regelmäßig Vorträge über gesellschaftliche und politische Fragestellungen, bislang u.a. in der American Academy Berlin, in der Ludwig-Maximilians-Universität München, im Deutschen Haus der New York University, in der Universität Catania / Sizilien, in der Universität in Vilnius und im Staatlichen Institut für Kunstwissenschaft in Moskau. Er ist fellow researcher am Exil.Arte-Zentrum der Universität für Musik und Darstellende Kunst Wien.

Er ist Herausgeber der Bücher „Der Erwin Piscator Preis“ und „Erwin Piscators Erbe lebt weiter“, sowie Co-Autor des Essay-Bandes „Bilder des Menschen“. Als Spezialist zu Erwin Piscator, dem Gründer des politischen und epischen Theaters, hat er die Ausstellung „Erwin Piscator: Politisches Theater im Exil“ kuratiert, die bislang in Bernried, New York, Catania, Salzburg, München, Wien, Berlin und Bielefeld zu sehen war.

Gregorij H. von Leïtis ist Gründungsintendant von Elysium, 1995 gründete er mit Michael Lahr The Lahr von Leïtis Academy & Archive, deren Präsident er ist. 1985 erhielt er den New York Theatre Club Prize. Für seine Verdienste um die Förderung der Völkerverständigung mit den Mitteln der Kunst wurde ihm 2003 das Bundesverdienstkreuz verliehen. 2016 erhielt er das österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst.
Gregorij von Leïtis war Gastregisseur an den Landestheatern Linz und Bregenz. 1998 inszenierte er am Bloomsbury Theater London Kafkas „Ein Bericht an eine Akademie“ und im Guggenheim Museum sowie am Miller Theater New York Ullmanns Oper „Der Kaiser von Atlantis“, 2001 am Teatro dell’Opera di Roma die italienische Erstaufführung von Kreneks Oper „What Price Confidence?“ 2005 führte er Regie bei der Uraufführung von Egon Lustgartens Oper „Dante im Exil“ in Bernried und New York. 1997 rezitierte er die New Yorker Erstaufführung von „Die Weise von Liebe und Tod des Cornets Christoph Rilke“, eines der letzten Werke, das Viktor Ullmann im Konzentrationslager Theresienstadt komponieren konnte. Seither hat er den „Cornet“ international mehr als 50. Mal aufgeführt.