„Ernst Cassirers Begriff des Mythos“ (Birgit Recki)

Kategorie: Aktuelles // Allgemein // Junge Philosophie

Mi., 02. November, 19:30 Uhr

Ernst Cassirer (1874-1945) geht vom Mythos als großer Ursprungserzählung aus – „eine Erzählung oder ein System von Erzählungen, von Geschichten, die die Taten der Götter und die Abenteuer der heroischen Vorfahren erzählten.“ Doch Cassirer geht es um einen umfänglicheren Begriff des Mythos. Dieser umfasst den Mythos als Einstellung des Bewusstseins, auf welche die Mythen der Völker nur verweisen.
Charakteristisch für den Mythos ist die Dominanz des magischen Ritus, was sich etwa in der Macht der Bilder über das Bewusstsein ausdrückt. Das Medium des Bildes verbindet Mythos und Religion, doch zeichnet die Religion ein Bewusstsein von der Differenz zwischen Bild und Sache aus. Durch dieses Verhältnis im reflektierten Umgang mit den Bildern eröffnet die Religion eine „neue Idealität“, eine „neue geistige ‚Dimension'“.

Birgit Recki ist seit 1997 Professorin für Philosophie an der Universität Hamburg und hat dort von 1997-2009 die Ernst-Cassirer-Arbeitsstelle geleitet und die Hamburger Ausgabe der Gesammelten Werke Cassirers in 25 Bänden herausgegeben (1997-2007). Ihre Arbeitsgebiete umfassen u.a. Ethik, Ästhetik, Kulturphilosophie und Anthropologie. Sie ist seit 2006 Vorsitzende der Internationalen Ernst-Cassirer-Gesellschaft und seit 2014 Mitdirektorin des Hamburger Warburg-Hauses. Neben vielen weiteren Publikationen erschien von ihr zuletzt „Natur und Technik. Eine Komplikation“ (Berlin 2021).

Foto: Volker Gerhardt